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RELATIV
Er wartete. Lange? Wer weiß, vielleicht waren es Stunden, vielleicht auch nur Minuten. Zeit war relativ, genauso relativ, wie das Warten. Der Zeiger tickte fortwährend, doch wie lange war der Moment, in dem er zur nächsten Ziffer sprang? Er wusste es nicht. Er wusste nur, dass er hier stand bis etwas passieren würde. Was, das konnte er nicht genau sagen- aber irgendetwas musste doch dort draußen sein? Und so verstrich Augenblick um Augenblick und er stand noch immer dort, unbewegt, keinen Millimeter verrückt- wie eine Schachfigur, die sich voller Neugier und Erwartung nach ihrem nächsten Zug sehnt, mit allen Risiken und Gefahren. So ragte er empor, nicht angepasst an das Leben um ihn herum, denn er war sich sicher, er hatte Zeit. Zeit genug. Die Sekunden rieselten durch eine riesige Sanduhr, doch er blieb unbeirrt, rührte sich kein bisschen.Da stoppte plötzlich ein Zug vor ihm, er stieg ein und fuhr los. Es flogen Menschen, Häuser und Lichter an ihm vorbei. Immer mehr, bis sie sich vermischten zu einem einheitlichen Brei. Doch wirkte auf ihn nichts unnatürlich, es war vollkommen gewöhnlich, genauso wie Zeit relativ war. Er nahm Platz direkt am Fenster, und starrte gebannt auf das, was er sah- und obwohl alles ein großes Ganzes war, bemerkte er jede Kleinigkeit, jedes Detail. Er erkannte das Gute, das Böse, die Hoffnung, die Trauer, die Sicherheit, die Angst. Wie eine zweite Haut, so fühlte er alle Emotionen, alle Gefühle, die dort draußen herumschwirrten, und war trotzdem er, im Zug, geborgen und in Schutz, und konnte alles neutral beobachten. Weit weg und doch so nah. Da fing plötzlich die Welt um ihn an zu bröckeln, löste sich auf und alles, was er berührte verschwand. Er fiel immer tiefer in ein Loch vollkommener Dunkelheit und Stille. Er konnte sich sehen, wie er da lag, zusammengekauert und zitternd, so als ob er ein Außenstehender wäre, sich selbst fremd. Und gerade als er dachte, er wäre verloren, schlug er die Augen auf und fand sich wieder auf der Straße, auf der er zuvor gestanden und gewartet hatte. Wie ein Blitz durchzuckte ihn in die Lust am Leben, er spürte die Lebendigkeit, das Klammern am Sein- das Existieren-Wollen. Ehe er sich versah war er am Puls der Zeit angelangt, zusammen mit vielen anderen. Für einen winzigen Moment streifte eine Frage seine Gedanken: Worauf hatte er eigentlich gewartet?



SCHAU MICH AN... (unvollfertig?)
„Schau mich an!“, schreit ihr das eigene Spiegelbild entgegen. Die zitternden Hände verstecken ihre Augen. Sie keucht nach Luft. „Ich kann nicht!“, flüstert sie. Das Knacken im Schloss. Langsam lässt sie ihre Arme sinken, die Augen geschlossen- sie könnte sich ja sehen. Die Schritte am Gang. Viel zu laut und unrhythmisch sind sie. Hart und grob finden sie ihren Weg bis an die Zimmertür. Mit einem Ruck geht die Tür auf, ein groß gewachsener Mann tritt ein. Er fragt: „Was ist?“ Sie antwortet: „Nichts.“ „Nichts? Ich habe dich schreien gehört!“, sagt er belegt. Hat sie etwa geschrieen? Nein, bestimmt nicht- sie war doch ganz leise… So leise, dass sie fast selbst verloren gegangen wäre in der Stille, nur die Rufe ihres Spiegelbilds waren da gewesen. Aber… aber… kann er vielleicht die grässliche Gestalt ihrer selbst rufen hören? Nein. Das geht nicht. Das kann nur sie, sie allein. Und sonst kein anderer. „Ich war ganz ruhig. Vielleicht hast du es dir nur eingebildet?“, meint sie ganz sachlich. Er schüttelt den Kopf, enttäuscht, und geht hinaus. Sie setzt sich auf ihr Bett, vom Bett auf den Sessel und vom Sessel auf den Boden. Da liegt sie, ganz klein und zusammengekauert- die Hände gegen den Kopf gepresst. Sie beißt sich auf die Unterlippe, um die Tränen zu unterdrücken, die hinter ihren leeren Augen nur darauf warten, hervorzukommen. Sie beginnt zu bluten, schmeckt es in ihrem Mund. Die erste Träne läuft ihre Wange hinab und hinterlässt eine warme Spur, ehe sie am Kinn wegtropft und auf ihrem Gewand landet. Die zweite, die dritte. Sie will nicht weinen, beißt sich fester auf die Lippe. Sie will stark sein, und nicht sehen, wie verletzt sie ist. Verzweifelt. Der Schmerz, sie kann ihn greifen, kann ihn fühlen- auch wenn er tief in ihr sitzt und keine körperlichen Verletzungen verlangt. Er zehrt an ihrer Seele, die Seele an ihrem Herz und das Herz an ihrem Verstand. Sie schluchzt. Jetzt weiß sie, wie schlimm es um sie steht. Es ist alles so unausweglich, dass sie laut schluchzen muss- sie schafft es nicht, leise zu weinen. Dann sieht sie in den Spiegel. Ihr Spiegelbild grinst ihr hämisch entgegen. „Viola, so heißt du…“, denkt sie, „aber was ist schon ein Name? Ohne mein Gesicht gäbe es dich gar nicht“. Die beiden starren sich an, sie und ihr Gegenüber. Viola wird kleiner, während das Bild im Spiegel wächst. „Nein!“, ruft sie. Viola steht vor ihrem Abbild, Schlieren der Tränen im Gesicht. „Lass mich in Ruhe! Ich kann nicht mehr…“. Erschöpft sinkt sie zusammen. Ihr Atem geht flach, sie merkt wie ihr schwindlig wird, weil sie nicht genug Luft bekommt. Das Spiegelbild blickt sie triumphierend an. So einfach wirst du mich nicht los, sagt es. Aus der Stille heraus wispert Viola verängstigt und schwach: „Aber ohne mich gäbe es dich doch gar nicht…“ Dann wird alles schwarz um sie. Mit einem Ruck setzt sie sich auf. Das Spiegelbild ist nicht im Spiegel. Ihre Beine sind schwer, wie Blei ziehen sie sie in die Tiefe, so dass sie nicht aufstehen kann.



DES HASSES RAUSCHEN
Ich schließe meine Augen. Vor der Welt. Vor mir. Möchte nicht sehen, was unter, über, neben mir liegt. Der Wind weht- eisig. Er erwärmt mein Herz. Ich kann ihn hören, er kriecht herein, keuchend schleppt er sich durch die Fensternischen und Türritzen. Drohend bäumt er sich vor mir auf, schlägt mir ins Gesicht, schneidet mir ins Fleisch. Und das Befriedigende daran: es ist mir egal. So egal, wie die Menschen, die in den Straßen wandeln. Ja, so egal ist er mir. Gleichgültigkeit, dieses Wort beruhigt mich. Ich möchte keines dieser Insekten sein, die wimmeln in Gassen und Winkeln. Während die Gier aus ihren Mündern trieft, vermauert der Hass mein Herz. Stein um Stein sperrt er es ein. Es fühlt sich toll an, ich muss nicht mehr achten, auf dass, was ich sehe. Dämpfen. Alle Emotionen wegdrängen. Nur der Hass, ihn vermag ich nicht zu besiegen- er will, dass ich das Feuer schüre, bis es lichterloh brennt. Erst dann hat er seine Aufgabe richtig erledigt. Wenn der Samen zu keimen beginnt, wenn alles gleichgültig wird, wenn alles schlecht ist, ja, dann ist er zufrieden. Ich weiß es, er flüstert es mir zu, nachts, wenn ich in meinem Bett liege. Er gesellt sich zu mir. Wispert in mein Ohr. Berührt meine Sinne. Betörend. Hoffnung ist ein dummes Beiwort. Wer hofft schon? Das Leben ist nicht, wie es sein soll. Kann gar nicht so sein, wenn sich der Neid, die Verachtung, die Intoleranz zu einem setzen, wenn man einschlafen will. Ich höre ihre Stimmen. Sie reden. Und reden. Die Hoffnung? Wo ist sie geblieben? Höre nur den Hass. Des Hasses Rauschen. Fluchen. Schnauben. Höre mein Herz. Höre die Dunkelheit, sie hat einen besonderen Klang. Den Klang der Einsamkeit, der Verzweiflung. Sie versteckt sich vor dem Schlechten, aber sie ist zu schwach. Zu jämmerlich. Sie schafft es nicht. Die Nacht.


ICH GEHE BIS ZUR EXPLOSION
Ich gehe. Du läufst. Wenn ich stehen bleibe, hältst du immer ein Stück nach mir. Würde ich meinen Kopf, wie ein Vogelstrauß, in den Sand stecken, so wären bei dir deine Gedanken beim Mittelpunkt der Erde. Impulsiv sagen sie. Eine explosive Bombe, die tickt und tickt und je nach Belieben in die Luft gehen kann, um sich dann wieder herzustellen und wieder zu ticken, um dann zu explodieren, sage ich.



MIRA UND TIM
Mira geht. Sie wandert, um genau zu sein. Sie weiß wohin sie will- der Hügel ist auch nicht besonders hoch, aber für heute reicht er ihr. Oben wird sie sitzen und picknicken, wie früher, als Tim noch da war. Mit einem letzen großen Schritt ist sie da. Aus ihrem Rucksack packt sie eine Decke aus, und holt einen Korb. Im Korb sind Brote, Käse, Äpfel und ein üppiges Stück Kuchen. Weiters Milch und Hollersaft. Gemütlich legt sie alles auf und setzt sich nieder. Da tupft ihr von hinten jemand auf die Schulter. „Ich bin es!“, sagt Tim und lacht. „Hallo Tim!“, sagt Mira und lächelt. „Setz dich!“, sagt Mira und lacht. „Gerne!“, sagt Tim und lächelt.







Last Update: 17. Juli 2007
Mood: frisch (vom Schwimmen)
Music: Beck - Guero
Birthday: None
Specials: Hitze!!!
Where: Vienna


Did:
  • Wii gespielt
  • Waffeln gebacken und Heidelbeershake gemacht
  • auf der Donauinsel gesessen und Blödsinn geredet
  • mit lieben Leuten telefoniert
  • um 20:00 Uhr schwimmen gegangen






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